„Hip-Hop ist kein blödes Hobby“

Von Yvonne Salvamoser

Aichach Hip-Hop? Da denken viele an rüpelhafte Rapper, Gangster in weiten Klamotten und mit fetten Goldketten, an aggressive Jugendliche, die nichts mit ihrer Freizeit anzufangen wissen, Drogen konsumieren, kriminell sind. Genau diesem negativen Bild der Hip-Hop-Szene wollen Stephanie Jenkins und Julie Spahn von „Discover Your Talent e. V.“ entgegenwirken: „Hip-Hop ist kein blödes Hobby!“

Nicht allein deshalb waren die beiden Tänzerinnen aus Augsburg am vergangenen Donnerstag zu Gast in der Geschwister-Scholl-Volksschule, sondern: „Die Kinder sollen sehen, dass sie was können.“

Zwei Schulstunden lang haben sie mit den rund 95 Schülern der vier siebten Klassen in der Turnhalle geübt. Zu fetzigen Beats aus großen Lautsprecherboxen versuchen sich die 13- bis 14-Jährigen im Popping, Locking und Crump. Sie bewegen sich einmal zackig wie Roboter, wirbeln dann Arme und Beine herum, als wären sie Zirkusclowns.

Sofort werden die beiden jungen Tanzcoaches in ihren weiten Jogginghosen und mit der schräg getragenen Baseballkappe mit Wünschen bestürmt: „Hey, ich hab da mal was im Fernsehen gesehen. Könnt ihr den Move auch?“ Selbstverständlich bringen Stephanie und Julie ihren begeisterten Schützlingen auch die ein oder andere Break-Dance-Figur bei, den Babyfreeze z. B., wo man sich für ein paar Sekunden in wilden Verrenkungen mit den Armen vom Boden abstützt. Oder Elemente vom New Style, der allen aus der Pro7-Show „Popstars“ mit Tanzcoach Detlev D! Soost bestens bekannt ist.

Und nach nur eineinhalb Stunden Training können fast alle bei der einfachen Standardchoreografie mithalten. Erstaunlich viele trauen sich unter lautem Klatschen und Jubeln in den Kreis ihrer Klassenkameraden, um ihre gerade erlernten Tanzkünste vorzuführen. Selbst ein klassischer Walzer wird kurzer Hand zur modernen Tanzeinlage. Das überrascht selbst Stephanie und Julie, die in den eineinhalb Jahren, in denen der gemeinnützige Verein nun existiert, rund 15 solcher Workshops durchgeführt haben: „In anderen Schulen laufen die Schüler oftmals schreiend weg.“

Dabei haben wohl die meisten Schüler davor noch nie so getanzt: „Ich tanze sehr gerne, aber so bis jetzt noch nicht.“, erzählt Patrizia Plank strahlend. „Ich hab das nur mal im Jugendzentrum mit ein paar Freunden ausprobiert“, berichtet Tufan Minkan, der wie seine Mitschüler sichtlich vom etwas anderen Sportunterricht angetan ist.

Begeistert vom ersten Projekt dieser Art an der Schule ist auch Lehrerin Lydia Liebert, die gemeinsam mit Sportlehrerin Erika Chalinski den Tanzworkshop in die Wege geleitet hat: „Es ist eine tolle Abwechslung.“ Sie begrüße es sehr, wenn die Kinder Anregungen für ihre Freizeit vermittelt bekämen und vielleicht sogar dabei blieben. Eine Chance sei es allen voran für diejenigen, die so etwas schon lange einmal ausprobieren wollten, sich aber alleine nicht getraut hätten, wohin zu gehen. In manchen Familien fehle dafür vielleicht schlicht das Geld.
Deshalb freut es Lehrer wie Tanzcoaches besonders, dass sie den Workshop für die Schüler kostenlos anbieten konnten.

Die Stadtsparkasse Aichach war vom Konzept sofort überzeugt und erklärte sich bereit, das Schulprojekt zu sponsern. „Keine Selbstverständlichkeit“, wissen Stephanie und Julie. Etliche potentielle Geldgeber sind, was Hip-Hop angeht, recht kritisch und voreingenommen. Sie lassen sich wohl vom anfangs geschilderten Image der Szene schrecken. Dabei ist für die Kinder Hip-Hop in erster Linie eines: Freude an der Bewegung, ein Riesenspaß. Sparkasse Stadtsparkasse Aichach

Aichacher Nachrichten, 09.10.2008