Endlich einmal als „Sieger“ dastehen

- Cyberbullying, Happy Slapping - nicht allen sind diese Begriffe aus den modernen Medien ein Begriff. Dass vor allem Eltern zum Thema Internet viele Fragen haben, zeigte sich bei einer Veranstaltung in der Geschwister-Scholl-Hauptschule Aichach. Polizeioberkommissar Klaus Kratzer und der medienpädagogische Berater Christoph Schmidt stießen mit ihrem Vortrag auf großes Interesse.

Gerade nach dem Amoklauf von Winnenden wird über die Gefahren dieser Computer- und Handynutzung wieder verstärkt diskutiert. Deshalb waren die Eltern sehr dankbar über die Tipps, worauf sie beim Umgang ihrer Kinder mit diesen Medien achten sollten.

Ausgehend von statistischem Zahlenmaterial, wonach fast alle Jugendlichen eigene Handys, Computer und meist auch Fernsehgeräte besitzen, wurde ersichtlich, dass sich vor allem die jungen Leute in ihrer Freizeit sehr häufig mit diesen Medien beschäftigen, leider aber nicht nur zu sinnvollen Zwecken.

War es früher bei den wenigen Fernsehprogrammen schwierig, sich ständig mit „Gewalt“ einzudecken, sei es heute auf Grund von Aufzeichnungsgeräten, Spielkonsolen usw. ganz einfach, sich rund um die Uhr mit gewaltverherrlichenden Filmen und Spielen zu beschäftigen, so die Experten.

Das große Problem sei, dass durch diese zunehmende Verharmlosung Hemmschwellen zur Gewaltbereitschaft abgebaut werden und durch das Bewegen in einer Welt der Fantasie und der virtuellen Realität der Blick für die Wirklichkeit verloren geht.

 

 

 

Dies kann darin enden, dass die jungen Menschen oft nicht mehr wissen, wo sie sich zurzeit befinden, und somit Aktivitäten an der Spielkonsole ins wirkliche Leben weitergeführt werden, mit verheerenden Folgen für die Mitmenschen und ohne großes Schuldbewusstsein der Täter - es geschehe eben alles „aus Spaß“ oder um auch mal als „Sieger“ dazustehen und nicht als „Opfer“ wie im wahren Leben.Klaus Kratzer, Jugendbeauftragter der Polizei, somit täglich mit der Aufdeckung solcher Fälle und der Aufklärung von Jugendlichen beschäftigt, erklärte am Beispiel der Sendung „Jackass“ im MTV-Fernsehen, wie sich Teilnehmer freiwillig traktieren und Schmerzen zufügen lassen, weil die Zuschauer ganz einfach ihren „Spaß“ daran haben, ähnlich wie bei „Dschungelcamp“ bei RTL - Menschen quälen sich einfach zur Unterhaltung. Die bildhafte Darstellung von Körperverletzungen und inszenierten Morden zum Nachteil einer oder mehrerer Personen, „Happy Slapping“ genannt, habe auch ungeahnte Auswirkungen auf die teilweise zügellose Gewaltbereitschaft.

Im Chatroom, in den sich bereits viele Kinder begeben, um einen „Ansprech- und Austauschpartner“ zu haben, geben die jungen Menschen, vor allem die Mädchen, viel von sich preis - Adressen, Telefonnummern, Hobbys, Bilder und vieles mehr. Chatroom sei aber kein geschützter, privater Raum - diesem Irrtum unterliegen nach Ansicht von Kratzer viele Nutzer. „Wer sich an Kindern vergreifen will, macht dies heute in 97 Prozent aller Fälle über das Internet, um sich Jungen und Mädchen zu nähern“, bekundete der Polizeibeamte.

Die Experten rieten den Eltern, Kontrolle, Grenzen zu setzen und Kompetenz bei diesen modernen Medien zu erweitern. Rektor Franz Negele forderte die Eltern auf, das Internet nicht einfach zu verbieten, sondern ihre Kinder zu einem sinnvollen Umgang mit den neuen Medien anzuleiten.

Weitere Infos im Internet

Informationen zu den Gefahren des Chattens geben die Internetseiten www.kindersindtabu.de   www.jugendschutz.net

Aichacher Nachrichten, 21.04.2009